Gemeinde Frittlingen

 


Ortschronik

Frittlingen ist ein uralter Siedlungsplatz mit einer wechselvollen Geschichte. Die älteste Spur, die Menschen auf der Gemarkung Frittlingen hinterlassen haben, ist ein einzelnes Hockergrab im Philippenwäldle ostwärts des Winkelbucks. Diese Gräber sind kennzeichnend für die Jungsteinzeit von 4000 bis 2000 v. Chr. In der frühen Eisenzeit (1000 bis 500 v. Chr.) entstand die Siedlung Ettenstadt, als deren Reste das Gehöft Michelhölzle und 4 Grabhügel in der unteren Breitwiesen anzusehen sind.
Seinen Namen verdankt Frittlingen den Siedlern aus der Zeit der alemannischen Landnahme in den Jahren 250 bis 400 n. Chr. In unserer Gegend wird 791 n. Chr. der "pagus Purihdinga", das Gau des Purihdo (oder Purihdilo), genannt. Mit dem Wachsen der Bevölkerung kam zwangsläufig die Aufteilung der Gaue in Markungen. Die Sippe des Fritino (oder Fritilo) erhielt den Raum zwischen den Gewässern Prim, Starzel, Tiefentalbach und dem Albrand (Pfannen- Katzensteig). So entstand auf der fruchtbaren Liasebene zwischen 250 und 400 n. Chr. die Ingwa (Heimat, Wohnplatz) der Sippe des Fritilo. Im Jahre 797 tritt der Name "Friddiningas", eine Ableitung von "Fritilingwa" auf. Der Name des Dorfes ist also das Dokument für sein Alter.
Im Jahre 500 begann mit der Herrschaft der Franken in Alemannien die Christianisierung, die um das Jahr 700 abgeschlossen war.
Im Jahr 1056 erwähnt Graf Eberhard v. Nellenburg in einer Schrift die schon früher vollzogene Schenkung von "3 1/2 Mansen in Fritalinga" (1 Mansen = 35 Morgen) an das Kloster Allerheiligen zu Schaffhausen. In der Folgezeit kam Frittlingen in den Besitz der Ritter von Schilteck, deren Stammburg bei Schramberg im Schwarzwald lag.
Am 18. Oktober 1301 verkaufte Ritter Johann v. Schilteck das Dorf Frittlingen mit Leuten, Renten, Gefällen und der Vogtei um 150 Mark Silber an den Bischof Heinrich von Konstanz. Ein Teil von Frittlingen kam kurz nach 1301 in den Besitz des Frauenklosters Lindau. Von diesem kaufte im Jahre 1337 der Rottweiler Bürger Dietrich Salzmann die frittlinger Güter, wobei das Kloster Rottenmünster, das schon seit 1306 in Frittlingen Besitz hatte, Bürgschaft leistete. Im Jahre 1411 kam auch dieser Teil unter die Herrschaft des Klosters Rottenmünster.
Der andere Teil gehörte innerhalb des Bistums Konstanz zur Herrschaft Konzenberg. Der frittlinger Besitz kam durch Verpfändung an die Grafen Mangold und Eberhard v. Nellenburg, wurde aber aus dieser Pfandschaft für 60 Mark Silber und 240 Gulden an die Familie Reischach weiterverpfändet. Am 6. Mai 1411 überließ Konrad von Reischach mit Einwilligung des Bischofs Otto und des Domkapitels zu Konstanz die Pfandschaft um den gleichen Pfandschilling dem Kloster Rottenmünster. Frittlingen hatte also, nachdem es zuvor ganz oder in Teilen öfters verhandelt, verpfändet oder verkauft worden war, einen neuen einheitlichen Herren im Kloster Rottenmünster gefunden, dem es 400 Jahre unterstehen sollte.
In die erste Hälfte des 16.Jahrhunderts fallen der Bauernkrieg und die Reformation. Als der 5 Jahre zuvor vertrieben Herzog Ulrich 1525 von der Schweiz her kommend mit angeworbenen Söldnern sein Land wieder in Besitz nehmen wollte, wurde die Lage für Frittlingen gefährlich. Er marschierte vom Hohentwiel kommend über Spaichingen und Rottweil. In Denkingen raubte er den Kirchenschatz und schmolz ihn zur Besoldung der Söldner ein. Es ist wahrscheinlich, daß auch in Frittlingen alles Wertvolle geraubt wurde.
Im Jahre 1545 wurde Frittlingen zur Pfarrei erhoben. Bis dahin war Frittlingen eine Zweigstelle der Pelagiusgemeinde von Rottweil-Altstadt.
Im Jahre 1611 wütete in der Grafschaft Hohenberg und Umgebung die Pest. In Rottweil starb die Hälfte der Bevölkerung. Die frittlinger Öschkapelle, 1640 erstmals genannt, dürfte damals für die abgesonderten Pestkranken errichtet worden sein. Vielleicht ist sie auch eine Dankkapelle, gestiftet von den Überlebenden jener Jahre.
Die erste Folge des 1618 entbrannten Dreißigjährigen Krieges für Frittlingen war die Entstellung von Soldaten für den Kaiser. Im sog. Dänischen Krieg hatte unsere Gegend unter Truppendurchmärschen, Einquartierungen, Kriegskontributionen, Anwerbungen, usw. zu leiden. Die schwerste Zeit jedoch brachte der sog. Schwedenkrieg. 1632 rückte der Krieg in unsere unmittelbare Nähe. In den Folgejahren kam es zum Durchzug schwedischer, württembergischer, französisch-schwedischer und kaiserlicher Truppen. Zu diesem Elend kamen Krankheiten, die von den fremden Kriegsvölkern eingeschleppt wurde.
Kaum hatte sich Deutschland von den Schrecken des Dreißigjährigen Krieges erholt, folgten von 1672 an eine ganze Kette von neuen Kriegen, die auch unsere Gegend nicht unberührt ließen. In den Jahren 1672 bis 1678 waren französische Truppen in unserer Gegend. Der Einfall der Franzosen rief die kaiserliche Armee auf den Plan. So kamen in der Folge auch brandenburgische Truppen nach Frittlingen.
Die französische Revolution (1789) erschütterte ganz Europa. Die aus Frankreich Geflohenen hatten sich zu Freikorps in der Gegend von Rottweil, Villingen und Schramberg zusammengeschlossen. Auch Frittlingen hatte Einquartierungen.
Am 23. November 1802 wurde das Kloster Rottenmünster mit all seinen Ortschaften und Besitzungen vom württembergischen Staat in Besitz genommen. Die Frittlinger waren damit nicht einverstanden, fügten sich jedoch in das Unvermeidliche.
Im Februar 1848 war in Paris die Revolution ausgebrochen. Der Sturm pflanzte sich über den Rhein fort und erfaßte besonders Süddeutschland. Auch Frittlingen wurde vom Revolutionsfieber ergriffen. In der Folge wurden die eifrigsten vier Demokraten aus Frittlingen nach Spaichingen ins Gefängnis gebracht, zwei davon später auf den Asperg. Die Gemeinde wurde für drei Wochen militärisch besetzt.
Von den frittlinger Bürgern wurden im 1. Weltkrieg 200 Mann zum Kriegsdienst eingezogen. Von diesen sind 42 nicht mehr heimgekehrt oder in der Heimat an den Kriegsfolgen gestorben.
Auch der zweite Weltkrieg forderte von der frittlinger Bevölkerung große Opfer. Von den 238 Kriegsteilnehmern mußten 63 ihr Leben lassen. 19 Kriegsteilnehmer sind vermißt. In der Folgezeit hatte Frittlingen unter der französischen Besatzung zu leiden.
Nach dieser Zeit entwickelte sich die Gemeinde von einer landwirtschaftlich strukturierten zu einer Industrie- und Wohngemeinde.
Im Jahre 1997 durfte die Gemeinde Frittlingen ihr 1200jähriges Bestehen feiern.